Hyper, Hyper: Die fünf coolsten Techno-Spiele


Tech·no
/ˈtɛkno/

elektronische, von besonders schnellem Rhythmus bestimmte Tanzmusik (besonders in Diskotheken)

Ihr kennt und liebt Rez? Schwitzt in Beat Saber die VR-Brille voll? Klar tut ihr das. Aber was wäre, wenn es da draußen noch ein paar weitere Games gäbe, die elektronische Beats so wundervoll mit Pixeln und Polygonen vermälen, dass ihr einfach nur tanzen wollt?

1100101 heißt ich liebe dich, ich möchte bei dir sein – die ganze Zeit, für immer zu zweit, komm’ lass uns wie Binäre sein.“ Diese vielleicht schönste schlimmste Liebeserklärung des deutschen 90er-Jahre-Techno stammt von Das Modul, aus dem wunderbaren Song 1100101. Und ich finde diese Liedzeile passt sehr gut zu meiner Empfehlungsliste – auch die ist voller Techno im Speziellen und elektronischer Musik im Allgemeinen, aber vor allem voller Liebe. Wahrhafter, großer, bedingungsloser Liebe für diese fünf Spiele, die zwischen elektronischer Avantgarde und heftigen Bassbeat-Attacken mäandern, die passend zum Beat Pixel hopsen lassen und dabei eure Reflexe bis zum Äußersten strapazieren. Ihr habt Herzen für Lumines, PaRappa und Bit.Trip, für Thumper, Amplitude, SoundShapes und Rhythm Paradise? Dann seid ihr hier goldrichtig – das geht raus an alle angehenden Synästhet*innen, die elektronische Klänge auf dem Bildschirm sehen und den Rhythmus der Musik händisch erleben wollen.

1 Just Shapes & Beats (2018)

Ausweichen als Spielziel: Das hellblaue Viereck ist die „Spielfigur“ – die sollte tunlichst nicht die pinken Bildschirm-Elemente berühren.

Wenn die Diskokugel in dein Zimmer kracht: Just Shapes & Beats ist ein Bassmonster mit heftigen Dubstep-Beat-Drops, das den/die fliehenden Spieler*in vor sich hertreibt. Ihr scheucht ein kleines Viereck über den nachtschwarzen Bildschirm, während geometrische Formen, ausschwärmende Pixel oder pulsierende Linien in grellen Farben Jagd auf euch machen. Zum Beispiel stürzen im Takt Blöcke herab, die beim Eintauchen in das neonpinke Meer schwappende Wellen auslösen, an anderer Stelle dreht sich ein Raum voller Kreissägen und ihr müsst versuchen, den Rand nicht zu touchieren. Ein Treffer lässt euer Viereck kurz straucheln, beim dritten geht es zurück zum letzten Checkpoint.

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Wie ihr das vermeidet? Durch brutale Reflexe und kluges Nutzen der Dash-Funktion – wer auf Knopfdruck in eine Richtung ausweicht, ist während der Fluchtaktion unverwundbar und kann so Barrieren oder feindliche Salven passieren. Zu allem Überfluss serviert Just Shapes & Beats neben dem unverbrauchten Spielkonzept samt fantastischer Musik sogar eine pfiffige kleine Geschichte und unterhaltsame Multiplayer-Modi!

I want to see you sweat

2 No Thing (2016)

In No Thing sprinte ich in Ego-Sicht durch eine abstrakte 3D-Welt – wer den schmalen Pfad verlässt, muss das Level von vorn beginnen.

Dieses Spiel ist zu günstig, ehrlich! Während auf Steam immerhin vier Öcken aufgerufen werden, gehen die Konsolenversionen für läppische zwei über den Tisch. Und dabei ist es so großartig. Mir fällt kaum ein anderes Game ein, das audiovisuell derart nahe an Videokunst rankommt – No Thing könnte auch über einen ranzigen Röhren-TV in einem Kunstmuseum flimmern, vielleicht im Vorzimmer einer Bill-Viola-Ausstellung. Musikalisch empfängt euch eine hypnotisierende Melange aus 80er-Jahre-Synthiepop und Minimal Electro. Während die Retro-Polygongrafik in piefigen DDR-Farben an mir vorbeirauscht, erzählt eine monotone Vocoderstimme die Geschichte: Es geht um eine*n Büroangestellte*n, der/die in einem totalitären Regime eine Nachricht zur Eiskönigin bringen muss. Logo, was sonst!

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Spielerisch ist No Thing simpel af, aber enorm fordernd: Die eigene Spielfigur läuft in Ego-Perspektive über schmale Stege, darf nicht herunterfallen. Einzige Interaktion: auf Knopfdruck im 90-Grad-Winkel nach links oder rechts abbiegen. Derweil werden die Wege immer schmäler und die Geschwindigkeit höher. Wer abstürzt, muss das Level neu starten – hier ist No Thing gnadenlos. Dafür könnt ihr das Teil auch ohne ausgeprägtes Rhythmusgefühl meistern, hier geht es um Timing – die fantastische Musik ist für die Atmosphäre und euer Vergnügen unerlässlich, aber kein aktiver Teil der Spielmechanik.

3 Electronic Super Joy (2013)

Der reduzierte Look ist Geschmacksache – er hilft aber, das Bildschirmgeschehen rasch zu erfassen.

Matthias Schmid

Liebt junge & alte, pixelige & bombastische Videospiele, seine zwei Katzen und koffeinhaltige Brausen.

Electronic Super Joy kann vieles. Zum Beispiel albern sein: Weil die eigene Spielfigur „in den Disco-Kriegen des Jahres 1515 einen Arm und schließlich den kompletten Arsch an einen bösen Zauberer verloren hat“, sinnt sie auf Rache und durchquert hopsenderweise ein 2D-Land von links nach rechts, springt über Abgründe, plättet Feinde mit einer Stampfattacke. So weit, so Super Mario. Doch Electronic Super Joy dreht den Regler nicht nur voll auf, sondern dreimal herum, bis er knackst. Spieler*innen flüchten vor Raketensalven, landen millimetergenau auf schmalen Plattformen, weichen Wurfsternen aus –  während der Hintergrund pulsiert und während eine Techno-Salve aus den Boxen feuert, auf die Charly Lownoise & Menthal Theo stolz wären.

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Nicht nur das Leveldesign ist hervorragend, auch die Abwechslung stimmt: Es gibt langsame Abschnitte, wo die Musik kurz innehält, und dann wieder diese treibenden Passagen, wo perfekte getimte Sprünge rasant ausgeführt müssen, weil von links eine tödliche Wand ins Bild drängt. Und sogar Bosskämpfe: Da steht dann ein Pixelwicht mit Mitra vor euch und sagt  „I’m the pope – and I’m gonna fuck you up“. Ja, und dann geht es ab…

Put your hands in the air

4 Circa Infinity (2015)

Die (sehr kleine, schlanke) Spielfigur steht im weißen Kreis auf etwa zehn Uhr – sie muss ins Innere gelangen, ohne Feinde zu berühren.

Nach so viel digitalem Feuerwerk ein bisschen was zum Runterkommen: Circa Infinity (das ihr im Xbox-Store unter dem Namen „Kreis Unendlichkeit“ findet) arbeitet auch mit elektronischer Musik, setzt sie aber dezenter und weniger wild ein. Begleitet von schönen Beats lasst ihr ein kleines Menschlein auf Kreisen hin und herlaufen, durch einen Sprung in den nächst kleineren Kringel eintauchen und so irgendwann zum Ziel gelangen. Das Prinzip erinnert an das mathematische Phänomen der Fraktale, von denen ihr vielleicht unter den Namen Apfelmännchen oder Mandelbrot-Menge gehört habt. Dabei geht es um die sogenannte Selbstähnlichkeit – vergrößert man Objekt, wird man beim Hineinzoomen immer wieder auf die ursprüngliche Struktur treffen.

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Circa Infinity hält sich nicht sklavisch an dieses Konzept, beamt die Spielenden aber bei jedem Eintauchen in einen Kreis mittels eines Sprungs in einen kleineren Kreis – am besten versteht ihr das, wenn ihr es euch einfach im Bewegtbild anschaut. Das Schwierige und Herausfordernde sind dabei nicht nur die verzwickte Gegnerplatzierung, die Rotation und die immer höhere Geschwindigkeit, sondern auch das reine Laufen auf der Kreisbahn mittels Analogstick. Denn schon das Abwägen, in welche Richtung ihr gerade drücken müsst, um in oder gegen den Uhrzeigersinn zu gehen, das verlangt ein gerüttelt Maß an Gehirnverrenkung. Und es macht Laune.

5 Techno Kitten Adventure (2010)

Katze mit Jetpack, Einhorn und Narwal, dazu Sternchen, Kitsch und Laserstrahlen – fertig ist ein wundervolles Spiel.

Techno Kitten Adventure ist das einzige Spiel in dieser Liste, das man aktuell nicht mehr einfach für kleines Geld kaufen und zocken kann – und das ist eine kleine Katastrophe. 2010 erschien der Titel für kleines Geld in der Indie-Rubrik der Xbox Live Arcade und sah dabei wirklich krass billig aus. Ein Jahr später drehte ein Update die Optik einmal auf links und fügte neue Inhalte dazu, das Spielprinzip blieb aber erhalten: Meine Katze fliegt automatisch von links nach rechts durch einen Korridor voller zufällig platzierter Hindernisse; drücke ich auf die A-Taste, gewinnt sie an Höhe, tue ich das nicht, sinkt sie ab. Das war’s.

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Das Sensationelle daran: Derweil läuft der Track „Sea of Love“ von Frisco – und dieses Stück ist ganz ernsthaft eines besten Happy-Hardcore-Lieder der Welt. Zusammen mit dem stupiden Geschicklichkeitsprinzip und den Kapriolen der trashigen Grafik ergibt das ein Kunstwerk mit erstaunlicher Suchtwirkung.

How Much is the fish?

31 Kommentare


Kommentare

  1. Avatar for Fabu Fabu says:

    techno viking GIF

  2. ich habe mal ein witziges Browsergame gespielt.
    Da musste man auf Ski eine Piste runterfahren, und dabei bunte Pillen einsammeln.
    Je mehr Pillen man sammelte, desto eindringlicher wurde die Musik, und desto Bunter die Grafik.
    Irgendwann bewegen sich alle Bäume im Beat und es flackert wie Visuals in einer geilen Technoshow.
    Man erkennt kaum noch den Weg den man fahren muss.
    Für Epileptiker war das definitiv gefährlich.

  3. wer beats mag, sollte seine zappelfinger auch bei vectronom über die buttons tanzen lassen. das macht die elektromusik sogar zum gameplay-faktor.

    tz tz tz tz tz tzztztz tz tz tz tz tz

  4. Hotline Miami hat finde ich auch einen genialen „Elektro-Sog“ in der Hochzeit von Gameplay und Soundtrack!

    Danke für die Tipps, da werde ich mir mal ein paar von angucken!

  5. Avatar for Fabu Fabu says:

    Sooooo gut. Der Soundtrack passt wirklich fantastisch zum Spiel.

  6. das war tatsächlich geil.
    Da fällt mir auch Dreams ein: Dieser Spielebaukasten für die PS4.

    In Arts Dream (quasi dem Storyteil des Spieles, der als Demo dient, was mit diesem Baukasten alles möglich ist) gab es auch einen Level, wo man mit einer Waffe herumlief, die Musik erzeugte.
    So ergab der Normale Schussmodus die Grundmeolodie, während die Fill Ins, die Variationen und die Breaks alle mittels Gameplay (sprich: Einsetzen von Spezialfähigkeiten und Munition) entstanden.

    Ich bin 15 min hin und her gerannt, und habe Musik erzeugt, während ich Gegner massakrierte.

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