Brief und Sigl: 500 Stunden

Alle zwei Wochen setzt sich Rainer an seine Tastatur und schreibt dir einen Brief. Ja, dir.

Es geht um die großen, wichtigen, letzten Dinge: Sex, Tod, die Liebe, das Leben, den Sinn des Ganzen. Und um Videospiele. Große, kleine, teure, obskure, die Menschen, die sie machen, kritisieren, spielen und lieben. Kurzum: Es geht ans Eingemachte. „Brief und Sigl“ ist eine Depesche aus dem Ludoversum.

Liebe Leserin, lieber Leser,

manche Diskussionen kommen immer wieder auf im Videospieldiskurs, vielleicht, weil es keine guten, also: objektiv richtigen Antworten gibt, sondern nur Meinungen, Konflikte und Trends. Die um Schwierigkeit von Spielen ist ein Klassiker, die um die angemessene Länge von Videospielen ist eine andere. „Wie lang soll ein Spiel sein?“ ist natürlich als Frage ungefähr genauso sinnvoll wie die nach der Länge eines Stücks Schnur, aber hey: Das hat noch keine heiße Diskussion auf Twitter, Facebook oder an irgendeiner Bar eine halbe Stunde vor Schluss vom Eskalieren abgehalten.

Aktuell haben zwei Meldungen die alte Diskussion nach der angemessenen Länge eines Videospiels wieder ins Rollen und Rumpeln gebracht. Zum einen gab es da einen Tweet der Marketer von „Dying Light 2“, der vollmundig 500 Stunden Spielzeit angekündigt hat, ein Versprechen, das kurz darauf kleinlaut relativiert und erklärt werden musste: Das Spiel an sich würde wohl nur etwa 20 Stunden Kampagnendauer bieten, inklusive optionalen Sidequests käme das Ding dann auf 80 Stunden. Die 500 Stunden errechnen sich aus der Zeit, die man als Superfan mit dem andächtigen Abklappern jedes Zentimeters des Spiels beschäftigt sei, und vermutlich sind da auch ein paar Staffeln „The Walking Dead“-Rewatch nebenbei sowie Steuererklärungmachen mit Spiel minimiert im Hintergrund dabei miteingerechnet; wer weiß.

18 Kommentare


Kommentare

  1. Ich habe weder etwas gegen ausufernd lange Games noch gegen knackig kurze. Mir fällt es aber ganz, ganz schwer, den richtigen Rhythmus zwischen entsprechenden Titeln zu finden. Das begrenzte Zeitbudget verführt mich immer wieder zu kurzen Spielen, was das stringente Verfolgen der großen Titel aushebelt. Mit dem entsprechenden Effekt, nur sehr schwer wieder in Letztere reinzukommen. Da habe ich noch kein für mich passendes System gefunden.

  2. Aus diesem Grund liebe ich das Recap-System bei zB. The Witcher 3, was dir im Ladescreen immer einen kurzen Story-Abriss gibt, was zuletzt passiert ist.
    Für mich sollten viel mehr Spiele so eine Möglichkeit haben!

  3. Das Problem mit langen Spielen ist nicht deren Länge per se. Es ist der repitive Schmarrn ohne Mehrwert für Story oder Gameplay, der die Länge erst erzeugt. Manche Mechaniken sind so overengineered, dass diese gleichzeitig super zur Spielzeitstreckung dienen - z.B. Craftingscheiße, total außer Kontrolle.
    Wenn dann noch eine über weite Strecken lahme Story dazukommt, die nicht über sowas hinweg rettet und man nicht so genau weiß, warum man sich in dem Spiel eigentlich gerade aufhält, tut jede weitere Minute noch mehr weh. Bis halt die Schmerzgrenze überschritten ist und das Interesse und der Spielspaß gekonnt gegen Null gehen.
    Ich frage mich manchmal, ob die Spiele-Entwickler:innen und Designer:innen das am Ende wirklich selbst geil finden, oder ob es darauf gar nicht mehr ankommt.

  4. Avatar for Benji Benji says:

    Ich freue mich einerseits in große und spannende Spielwelten einzutauchen, anderseits nerven mich auch die oft einfallslosen und sich viel zu ähnlichen Side-Quests. Irgendwas in mir wie die dann aber doch lösen :slight_smile:. Ich spiele gerade ungefähr 2000 Jahre nach allen anderen Horizon Zero Dawn auf der PS4 und finde das kommt einer guten Balance schon recht nahe, könnte aber noch ein wenig kompakter sein für meinen Geschmack.

  5. Ich weiss nicht, wann genau bei mir der Punkt einsetzte, wo es von „Geil, 100h spielzeit“ zu „Uff, 100h Spielzeit“ drehte. An der Zeit, die ich habe, liegts wohl nicht. Wenn ich mir Zeit zum Spielen nehmen will, so mach ich das auch.
    Es muss ungefähr zur Zeit gewesen sein, wo der Wechsel stattfand von :„geil, das sieht aus wie ein Film“ zu „meh, das sieht aus wie ein Film“

  6. Avatar for Typhix Typhix says:

    Bei mir kommen da zwei Dinge zusammen.

    Zum einen ist es das Füllmaterial, das oft halt nicht überzeugt. Du hast dann 20h Kernspielzeit, die toll ausgearbeitet ist, vollvertont, bombastisch inszeniert, packende Geschichte. Und dann kommt jemand auf die Idee, dass man ja Content für 100h braucht. Und dann kommen Sammelaufgaben dazu. Sammele 30 Gänseblümchen, erlege 40 Wölfe, rede mit 50 Dorfbewohnern. Und das ist dann halt alles nur ugh.

    Und das zweite ist, dass ich Spiele oft nur so lange interessant finde, wie ich auch noch Neues entdecke. Nach 15 Stunden hat man die Spielmechanik aber meist dann voll durchblickt. Ja, vielleicht kommt irgendwo noch die eine oder andere Ability aus dem Skill-Tree noch dazu, aber so richtig was tolles Neues bringt das dann auch nicht mehr. Dann habe ich die coole Kletteranimation halt schon 20 mal gesehen, den Ultimate-Finish-Move schon 30 Mal eingesetzt. Und dann wird es halt natürlich monotoner, und die Lust lässt nach.

  7. Mir helfen in puncto „Langzeitspiele“ tatsächlich kurze google Notizen, in denen ich wichtige Charaktere, Lorehinweise und die aktuelle Spielsituation festhalte. Guter Kniff außerdem: Gameplayloop und essentielle Spielmechaniken inkl. Tastenbelegung niederschreiben.

    Auf diese Weise komme ich relativ schnell wieder rein und habe z.B. Death Stranding mit einem Jahr Pause (in Elternzeit brauchte ich keine zusätzlichen Babylaute aus dem Gamepad) beendet.
    Whatever works :man_shrugging:

  8. Bestens organisiert. :slight_smile: Das klingt mir persönlich aber zu sehr nach Arbeit, als nach Spaß. :wink:

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