Am „Bundle for Ukraine“ bei itch.io beteiligen sich 733 Kreativschaffende mit 933 Werken. Spiele, eBooks, ein buntes Sammelsurium, das zum Stöbern einlädt. Der Erlös kommt Ukrainischen Hilfsorganisationen zugute. Eine unterstützenswerte Aktion, die wir zum Anlass nehmen, ein paar der Spiele aus dem Bundle vorzustellen.

Die Aktion wurde vor einigen Tagen gestartet und endet am 18.03.22. Für 10$, es darf natürlich gerne mehr gegeben werden, gibt’s eine absurd große Sammlung verschiedenster Games und Gems. Hm, ja, es ist schon schwierig, im Kontext der schrecklichen Ereignisse von Freude zu sprechen, aber das Bundle for Ukraine ist toll. Noch toller ist, dass die Einnahmen zu Ukrainischen Hilfsorganisationen gelangen. Auf diese Weise konnten bereits über 4 Mio. Dollar gesammelt werden. Wenn ihr also ein paar Taler entbehren könnt, sind sie dort gut aufgehoben. Was ihr dafür bekommt, können wir aufgrund der Fülle nicht im Detail besprechen, aber unsere Autor*innen haben ein paar Tipps parat. Apropos: An dieser Stelle sei auch der Podcast vom lieben Dom empfohlen, der das Thema heute ebenfalls aufgriff.

Fabu Super Hexagon

Jaja, ich habe die gehobenen Augenbrauen nach dem Lesen des Titels sehr wohl wahrgenommen. Klar, Super Hexagon läuft inzwischen auf jedem Toaster, ist zehn Jahre alt und somit das Steve-Buscemi-Meme (2012) unten den Tipps, aber: Je mehr Zeit vergeht, desto mehr bestätigt das Rhythmus-Actionspiel von Terry Cavanagh auch seine Zeitlosigkeit. Angeheizt von Chipzels Beat husche ich mit meinem Pfeil durchs Hexagon-Labyrinth. Das Design ist schlicht, die Aufgabe klar: Keine! Wand! Berühren! Alles dreht sich, Blinzeln verboten. Das klingt wahnsinnig stressig, doch sobald Farben, Formen und Sound im Kopf verschmelzen, tanzt das Hirn Samba. Und Schwitzen muss ja nicht schlecht sein. Super Hexagon war, ist und wird wunderbar dafür geeignet sein, gelegentlich für fünf bis fünfhundert Minuten hervorgeholt und gehassliebt zu werden.

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Sebastian Standke co-open

Was habt ihr euch als Kind so im Supermarkt gekauft, wenn euch ein Familienmitglied ein paar Mark oder Euro zugesteckt hat? Vielleicht eine Tafel Schokolade, ein Micky-Maus-Comicheft, eine Packung Buntstifte oder doch eher eine Handvoll frischer Kirschen? In dem Einkaufserlebnis-Simulations-Adventure co-open werdet ihr in genau diese Situation zurückversetzt. Hier erlaubt euch eure Großmutter bis zu sieben Dinge aus einem linksalternativen, gemeinschaftlich geführten Supermarkt auszusuchen. Wer aber wirklich nur ein paar Sachen in den Warenkorb legt und sofort zur Kasse huscht anstatt auch mal mit den anderen Kund*innen aus der Nachbarschaft zu schnacken, der wird einiges verpassen: Schließlich wollen Katzen gefüttert, Dutzende kuriose Telefonate geführt, Skateboard-Performances in einem arktischen Kühlraum beobachtet und gut verborgene Graffitis entdeckt werden.

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Adrian Froschauer Lucifer Within Us

Es gibt viele Computerspiele, die detektivische Gameplay-Elemente versprechen. Oft bestehen diese aber darin, leuchtenden Hinweisen zu folgen und dem Avatar bei der Lösung des Falls zuzusehen. Lucifer Within Us ist eines von wenigen Computerspielen, die mir wirklich das Gefühl geben, eigenständig zu ermitteln und mithilfe von Deduktion, Induktion – und ein wenig Intuition – zur Lösung zu kommen. Der Sci-Fi-Krimi spielt in einer technologisch fortgeschrittenen und religiös übereifrigen Zukunft. Spielende kontrollieren die Exorzistin Ada, deren Aufgabe es ist, mehrere mysteriöse Morde aufzuklären, die Killer*innen ausfindig zu machen und die „Dämonen“ auszutreiben, die sie zu ihren Taten bewegen. Dazu gilt es, den Aussagen der Verdächtigen aufmerksam zu lauschen und herauszuarbeiten, wo sie denen der anderen Verdächtigen widersprechen oder nicht mit den Gegebenheiten am Tatort oder anderen Beweismitteln vereinbar sind. Die Verdächtige behauptet, sie war alleine – aber Moment mal: Jemand anderes hat das Mordopfer in den Raum gehen sehen! Letztendlich erschließen wir daraus Tatwaffe, Gelegenheit und Motiv. Ein cleveres, elegantes Spiel! Dennoch: Lucifer Within Us wirkt ein wenig wie ein proof of concept für ein größeres Spiel. Aber das Konzept ist eines, von dem ich mehr spielen möchte!

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Lea Irion Fallen Down: Heartache and Compassion

Undertale ist ein Videospiel, das mich mitten ins Herz getroffen hat. Mein erstes Playthrough hat mich zu jener Zeit an meine emotionalen Belastungsgrenzen gebracht. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich die Wahl hatte, wie ich den Kreaturen des Spiels begegne: Fange ich einen netten Plausch mit ihnen an, oder schlitze ich kommentarlos ihre Kehle auf? Das Buch Fallen Down: Heartache and Compassion setzt genau dort an: Warum ist Undertale ein Videospiel, in dem wir auf einmal Sympathie für diejenigen haben sollen, denen wir anderswo mit Gleichgültigkeit begegnen? Ein bisschen passt dieses Werk aus meiner Sicht auch in die jetzige Zeit, in der Empathie und Mitgefühl überall und doch nirgends zu finden sind. Undertale selbst ist ein Videospiel voller Liebe und voller Hass, es ist eine fanatische Antithese, das der Welt jetzt mehr denn je den Spiegel vorhält.

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Eike Cramer Kingdom Two Crowns

Das wunderschöne Kingdom Two Crowns ist ein kleines Pixelart-Juwel. Und das nicht nur, weil mich der Grafikstil mit seinen herrlichen Parallax-Ebenen, feinen Animatiönchen und stimmungsvoll-düsteren Wäldern sofort verzaubert hat. Nein, auch spielerisch ist das hier im Kleinen ganz schön groß. Im Kern ist Kingdom Two Crowns ein 2D-Königreich-Manager. Ich sammle Gold, investiere in Untertanen, Gebäude sowie Ausrüstung und verteidige mein kleines Reich gegen anstürmende Monster, die meine Krone klauen wollen. So weit, so simpel – wenn sich hinter der einfachen Kulisse nicht ein erstaunlicher Tiefgang in Mechanik und Größe verbergen würde. Während sich mein behelfsmäßiges Dorfzentrum mit kleinem Palisadenwall zur steinernen Feste entwickelt, erkunde ich verwunschene Wälder, treffe nützliche Figuren und aktiviere mysteriöse Statuen. Wird mir meine Krone entrissen, kehre ich als Nachfahre des unglücklichen Herrschers zurück, der ganz im Roguelite-Stil nur noch Teiles seines Reiches vorfindet und erstmal aufräumen muss. In der Kampagne reise ich außerdem von Insel zu Insel, schalte neue Rohstoffe und Gebäude frei und entdecke neue Gefahren. Achso – und einen Splitscreen Koop gibt es auch noch. Ein wirklich wunderhübsches, kleines, großes Abenteuer.

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Das Community-Mitglied „RogueMike“ hat anhand der Steambewertungen eine Top 50 erstellt.

Matthias Schmid Future Unfolding

Zuerst spielt ihr bitte Baba Is You – und wenn euch dieser geniale Knobler mal wieder euer Gehirn angesichts der absurd einfallsreichen Regelbrecherei in schlaffen Pudding verwandelt hat, dann wechselt zu Future Unfolding. Denn das ist „Lustwandeln“ in ein Videospiel gegossen! Ohne Erklärungen, ohne Regeln, ohne Zwänge streife ich aus isometrischer Sicht durch einen pastelligen Wohlfühlwald. Ich erkunde ohne an die Hand genommen zu werden, kommuniziere mit Tieren, entdecke ein betörendes, waberndes Farbenland. Die Kritik auf pcinvasion.com hat dafür eine sehr treffende wie schöne Formulierung gefunden, Future Unfolding sei die Antithese zum Questmarker. Locker zehn Stunden lang konnte ich die Seele baumeln lassen, ohne mich dabei je unterfordert zu fühlen: Denn es gibt schon etwas zu tun – die Grafik gern haben, Wege und kryptische Botschaften finden, dem Wind lauschen und mit den Tieren des Waldes reisen.

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Benjamin Filitz Eye of Ra

Das rote Telefon klingelt, ich gehe ran. „Hier spricht der Präsident. Sie müssen ein Spiel aus dem Bundle for Ukraine rezensieren.“ „Bist du das, Fabu?“ „Hier spricht DER PRÄSIDENT. Das Spiel muss Raumschiffe enthalten. Sie haben einen Absatz und 24 Stunden Zeit.“

Klack – aufgelegt. Ich filtere die 1.000 Spiele des Bundles: Pen & Paper – raus. Noch 500. Pornos – raus, noch 50.  Alles ohne Raumschiffe – raus. Alles weg was „Space“ oder „Star“ im Namen hat: 1 Treffer: Eye of Ra von BEARCABIN. „Ra“, das ist eine gigantische Laserwaffe, die das Sonnensystem von gefährlichen Asteroiden säubert und ich bin der einsame Techniker am Abzug. Das Spielprinzip lässt sich am besten als rudimentärer Betriebssystem-Simulator beschreiben. E-Mails mit den Abfangaufträgen auswerten, die Station ausrichten, ein paar Fenster hin und herschieben, Laser abfeuern, Abschuss-Bestätigungs-E-Mails lesen. Nicht besonders aufregend. Was Eye of Ra dennoch beachtenswert macht, ist die schiere Fülle an komplett überflüssigen Details. 250 simulierte Himmelskörper und unzählige Menü- und Datenbankeinträge, die Einblicke in Politik und Gesellschaft des Sonnensystems von 2220 verbergen. Genau das richtige, um sich für eine knappe Stunde von Politik und Gesellschaft des Sonnensystems von 2022 abzulenken.

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Jan Bojaryn Hidden Folks

In der langen Reihe von Spielen, die ich meinen Kindern vorsetze und dann selbst spiele, nimmt Hidden Folks eine Sonderrolle ein. Zuerst wollte ich es spielen, weil Game Designer Adriaan de Jongh mir mit seinem gewinnenden Grinsen wahrscheinlich alles einreden kann. Dann habe ich stundenlang vergeblich versucht, Spaß an Suchaufgaben in wuselig animierten Wimmelbildern zu finden. Dann habe ich es meinen Kindern vorgesetzt. Sie waren mäßig amüsiert und bemängelten hartnäckig, dass die Bilder nicht bunt seien oder besser gezeichnet. Als unbeteiligter Zuschauer konnte ich den albernen Humor des Spiels aber besser würdigen – vor allem die dilettantisch mit dem Mund eingespielten Geräusche. Seitdem bekomme ich immer wieder Bock auf eine Runde Hidden Folks, aber nur für eine halbe Stunde. Nach dem Wiedersehen im Bundle habe ich es reflexartig neu installiert und gespielt. Jetzt bin ich wieder fertig.

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Benjamin Strobel CrossCode

Dieses japanisches Rollenspiel kommt aus Deutschland. Auch wenn das Ursprungsland in der Genre-Bezeichnung eklatanter Etikettenschwindel ist, kann CrossCode genau den Finger darauf legen, was JRPG-Fans sich wünschen. Es weiß also nicht unbedingt, was mir gefällt, der ich alle Jubeljahre das neue Xenoblade spiele und sonst nur auf Super-Nintendo-Rollenspiele zurückblicke. Ich kann aber mit Ehrenwort versichern, dass meine Freunde, deren JRPG-Expertise sich auch durch immensen Anime-Konsum nachweisen lässt, total darauf abfahren (Ja, ich mein dich, Marcin). Und manchmal färbt so eine Begeisterung dann ja ab, nicht wahr? CrossCode ist etwas für Final-Fantasy-Freaks, für Anime-Bois und für Japan-Lover. Es ist handwerklich exzellent und zugleich maßlos ausufernd in seinen riesigen Welten, komplexen Rätseln und knackigen Kämpfen. Mit seinem Charme und seiner Kompromisslosigkeit hat es am Ende auch mich abgeholt. Wie man im Spielejournalismus so schön sagt: Nicht nur für Genre-Fans.

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Michael Förtsch Sunlight

Schließe die Augen. Atme tief ein. Atme aus. Öffne die Augen, lass die Schönheit des Waldes auf dich wirken, der sich um dich herum auftut. Und gehe los, aber lass dir Zeit, während du dem Flüstern der Bäume in die Tiefen des Unterholzes folgst, die mit jeweils eigenen Stimmen ihre Geschichten offenbaren. Ja, Sunlight ist kein klassisches Videospiel. Es gibt nichts zu besiegen oder zu gewinnen. Lediglich helle Lichtungen existieren, die dann und wann angesteuert werden müssen, um einzelne Blumen zu pflücken, die den nächsten Part der Erzählung einleiten – die irgendwann als narratives Grundrauschen in den den Hintergrund rückt. Sunlight funktioniert dadurch eher als eine spielbare Meditationserfahrung, die in herrliche Pastellfarben gehüllt ist und mit den orchestralen Klängen aus Tschaikowskis Hymn of the Cherubim dahin trägt. Es sind rund 30 Minuten an wohlig-warmen, melancholischen aber immer irgendwie einfangend lauschigen Gefühlsaufgüssen, die das das Studio Krillbite anbietet – und wohl sicher nicht jeden überzeugen oder verzaubern mögen. Aber mich schon.

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21 Kommentare


Kommentare

  1. Avatar for Fabu Fabu says:

    Falls ihr ein paar weitere Perlen gefunden habt, lasst es mich/uns gerne wissen.

  2. Avatar for Fabu Fabu says:

    „Was habt ihr euch als Kind so im Supermarkt gekauft, wenn euch ein Familienmitglied ein paar Mark oder Euro zugesteckt hat?“

    YPS-Hefte, bunte Schuhe, ???-Kassetten.

  3. Avatar for Adrian Adrian says:

    Direkt auf den ersten Blick:

    Backbone
    Super hot
    Baba is you
    Celeste
    Underhero

    Sind aber jetzt alle Recht bekannt. Und ein Minigolf Spiel gibt es mit Golf Peak wohl auch. Nice.

    Und mit Sweaters by Hedgehog bekomme ich doch bestimmt meine Freundin zum Spielen.

    Cola cracker und diese Styropor Flieger.

  4. Avatar for Frosch Frosch says:

    Spiele, über die ich beinahe geschrieben hätte:

    • Fatum Betula ist ein geil surrealistischer „Walking Simulator“, aber ich dachte mir, wir haben bestimmt schon genug artsy fartsy TItel in der Liste.
    • Figment ist ein witziges Spielchen mit cooler Musik, das mich ein bisschen zu häufig an Bastion erinnert, als dass das Zufall sein könnte. Aber es klaut die Ideen gut und verpackt sie sehr schön – was will man mehr?
    • Es hat mich sehr gefreut, dass CrossCode es auch ohne mich auf die Liste geschafft hat – ein Spiel aus dem geilsten Games-Bundesland. :wink:
    • A Short Hike ist einfach rundum so unheimlich charmant und süß und witzig; es ist nicht auszuhalten!
    • Außerdem: Das Bundle beinhaltet das Regelwerk eines TTRPGs namens Thirsty Sword Lesbians, das exakt das ist, was der Titel verspricht. Ich liebe alles daran.
  5. Avatar for Fabu Fabu says:

    Die waren großartig.

  6. Avatar for Lyra Lyra says:

    CrossCode!!!

  7. Ja, stand bei mir auch zur Debatte ; ) Aber hab mich dann für was sonnigeres entschieden.

  8. Da sind tatsächlich ein paar schöne Spiele dabei. Unbedingt anguckenswert sind:

    ZeroRanger, ein sehr tolles Shmup, was stellenweise als Undertale der Shmups bezeichnet wird. Vermutlich das beste Spiel des Bundles.

    Not the robots, ein witziges Stealthroguelite in dem man einen Roboter spielt, der Büromöbel fressen muss und damit auch seine Deckung aufrisst.

    Operation Steel, ein recht cooles Roguelite Shmup

    Schildmaid MX, das hab ich selbst noch nicht so wirklich viel gespielt, aber viel gutes drüber gehört

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