Wir sind mit Spielen groß geworden. Jetzt werden in unserem Leben unsere Kinder mit uns groß. Bleibt zwischen Windelwechseln, Krabbelgruppe und Breifütterung überhaupt Zeit zum spielen? Was geben Games uns mit auf dem Weg mit Nachwuchs? Geben wir unsere Liebe zu virtuellen Welten weiter? Hier gibt es Monat für Monat eine Heldinnen-Reise von der Geburt bis zum ersten eigenen Griff zum Controller.

Das Knallen der Schüsse empfängt sie schon vorne an der Haustür. Bam, bam, bam! Aus dem Wohnzimmer dringt flackerndes Licht. Zwei Gestalten erwarten sie dort, eine kleine, die andere groß. Die kleine Gestalt sitzt, die andere liegt schon zusammengesunken zwischen den Kissen.

Pssst, seid leise. Opa schläft.“ Laut meinen Eltern habe ich sie im Alter von fünf Jahren mit diesen Worten begrüßt, als sie von einem kinderlosen Abend nach Hause kamen. Mitten in der Nacht. Ich saß auf dem Sofa, neben meinem schlafenden Babysitter-Opa. Offenbar war er schon länger nicht mehr wach. Denn im Fernseher lief ein Western, in dem gerade John Wayne im finalen Shootout aus der Hüfte Tod und Verderben servierte.

Ob das der Start meiner Faszination für das Genre war? Wer weiß. Jedenfalls habe ich meine Jugend mit den Filmen von Sergio Leone, Sam Peckinpah und John Sturges verbracht. Mit Männern in speckigen Mänteln und Pfannen voller Bohnen mit Speck. Mit dem Niedergang des US-amerikanischen Mythos von Freiheit und Grenzenlosigkeit. Mit Mundharmonikas, mit Ponchos, mit Pathos und mit dem Soundtrack von Ennio Morricone. Als 2010 „Red Dead Redemption“ erschien, war ich zwar kein Kind mehr, aber trotzdem glückselig.

7 Kommentare


Kommentare

  1. Avatar for Fabu Fabu says:

    Was mich zu der Frage führt: Spielt jemand von euch Mundharmonika?

  2. Es geht nicht. Ich bin open-world-müde. Ich bin AAA-müde. Ich bin spielmüde. Ich bin müde. Nur noch müde.

    Das trifft es so gut. Selbst wenn Eltern es irgendwie irgendwann geschafft haben, Zeit für sich zu haben, geht vieles trotzdem nicht, weil die Akkus einfach leer sind.

    Man gibt einen großen Teil seines Lebens für einen gewissen Zeitraum schlicht und ergreifend auf. Ist es das wert? Ja. Ist es trotzdem frustrierend? Ja.

    Ich habe erst jetzt langsam, nach knapp zwei Jahren, das Gefühl ein bisschen was vom eigenen Leben zurück zu haben. Kleine Häppchen zwar, aber immerhin. Und erst jetzt ist wieder, ganz langsam, ein bisschen Raum da für so etwas wie das Hobby Computer- und Videospiele.

  3. Auf den Punkt gebracht!

  4. Avatar for cneeb cneeb says:

    Hey strapinski, danke für deinen Kommentar. Mittlerweile finde ich es auch vollkommen in Ordnung, dass wir dann einfach mal auf Pause drücken und erstmal eine Auszeit von Dingen nehmen. Aber in der Situation ist dieser „Verlust“ des alten Lebens erstmal ziemlich gruselig, oder? Jedenfalls ging es mir so.

  5. Auf den Punkt gebracht. Inzwischen spielen bei mir die Kinder und ich schaue nur noch Müde zu. Spielzeit für mich finde ich nur noch in der Arbeit und dann sehe ich es als Recherchetätigkeit an. Sprich kurz anspielen, aber auf gar keinen Fall eintauchen. Bloß kein endloses OpenWorld… Meine Studierenden erzählen mir dann was ich gerade alles verpasse :wink:

  6. Junge Eltern lieben diesen Kolumnentrick!

    Einfach einmal ein aufrichtiges Danke für deine Texte.

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