Natürlich geht es sowohl in Videospielen als auch in Filmen dauernd um Macht. Wie überall. Darin, was die beiden Mediengattungen über sie erzählen, unterscheiden sie sich quasi nicht. Dafür umso mehr, wie sie zur Reflexion über Macht anregen.

Arabella Wintermayr

arbeitet als freie Redakteurin für die Öffentlich-Rechtlichen und schreibt über Kulturelles für diverse Zeitungen, wie die taz, die Berliner Zeitung und der Freitag

Macht ist allgegenwärtig. Selbstredend schließt das die Narrationen von Games ebenso mit ein wie die des Kinos. Selbst wenn Macht nicht zu den ausdrücklichen Themen einer Handlung gehört, spielt sie zumindest unterschwellig immer eine Rolle. Allein weil eine jede vorkommende Beziehung letztlich immer von Machtverhältnissen geprägt ist, und seien sie auch noch so subtil. Das gilt auch für Titel, denen man aufgrund ihres unschuldig-kindlichen Charakters nicht zutrauen würde, weil der Begriff der Macht stets mit etwas Düsterem assoziiert, im deutschen Sprachgebrauch teilweise sogar synonym mit „Gewalt“ verwendet wird. 

Wie sollte man es aber anders denn als Machtausübung bezeichnen, wenn etwa in der „Animal Crossing“-Spielereihe der sogenannte „Dorfhändler“ Tom Nook – eigentlich ein Monopolist – im Alleingang über die Preisgestaltung einer gesamten Insel bestimmt oder in der Kinderserie „Paw Patrol“ der zehnjährige Ryder das Kommando über eine Rettungshunde-Staffel übernimmt? Geht es um das Verhandeln von Macht in all seinen Formen, unterscheiden sich die Mediengattungen „Film“ und „Videospiel“ also nicht wirklich darin, „was“ erzählt wird. 

Die Verschiedenheiten beginnen viel mehr bei der Art und Weise „wie“ von Macht erzählt wird, und dadurch auch wie sie zur Reflexion anregen. Das Stichwort, das alles verändert, ist schon wie in meiner vorherigen Kolumne: Interaktivität. Dort habe ich die verschiedenen Möglichkeiten betrachtet, die speziell storylastige Games im Vergleich zum Kino liefern. 

Wenn ich über Macht nachdenke, scheint mir ein ganz anderes, weniger narrativ geprägtes Gaming-Genre allerdings viel interessanter. Eines, in dem die eigene (Gestaltungs-) Macht ungleich größer ist und meist, aber nicht immer, ausdrücklich thematisiert wird. Eines, das bisweilen recht nüchtern daherkommt, weil es viel mit Planung, Kalkulation und Organisation zu tun hat, letztlich aber um die eigene Herrschaftsgewalt kreist. Die Rede ist vom breiten Feld der Simulatoren. 

2 Kommentare


Kommentare

  1. Avatar for VfBFan VfBFan says:

    Allein für die Nennung von Suzerain gibt es ein großes :heart: von mir.

  2. Ich habe zu diesem interessanten Beitrag vor kurzem genau das richtige Spiel gespielt. Die Farming-Simulation „The Stillnes of the Wind“ gibt mir den gewohnten Machteinfluss aus anderen Simulationsspielen. Nur, dass am Ende des Spiels meine Macht komplett entrissen wird. Es bricht mit den üblichen Genre-Konversationen, um uns vor den Kopf zu stoßen. Solche Genre-Brüche sollten sich andere Spiele auch trauen.

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