Wir sind mit Spielen groß geworden. Jetzt werden unsere Kinder mit uns groß. Bleibt zwischen Windelwechseln, Krabbelgruppe und Breifütterung überhaupt Zeit zum Spielen? Was geben Games uns mit auf dem Weg mit Nachwuchs? Geben wir unsere Liebe zu virtuellen Welten weiter? Hier gibt es Monat für Monat eine Heldinnen-Reise von der Geburt bis zum ersten eigenen Griff zum Controller.

Amen. Pentiment.

„Wie hältst du es mit der Religion?“ Kaum ein anderes Thema kann Smalltalk so schnell töten – von Politik mal abgesehen. Kaum ein anderes Thema konstituiert uns selbst, unseren Platz in dieser Welt so sehr, wie dieses. In Gesprächen mit flüchtigen Bekanntschaften können wir sie prima ausklammern. Aber mit den Menschen, die uns nahe sind? Mit unseren Kindern?

Christian Neeb

War früher Redakteur beim GEE Magazin, bei der Fernsehsendung Reload und beim Spiegel. Heute wechselt er Windeln, kocht Nudeln mit roter Soße, liest Geschichten vor und schreibt nebenbei als freier Autor.

Im warmen Flackerlicht der Kerzen sitzen meine Kinder im Wohnzimmer. Eine alte Schallplatte aus dem Werkstattkeller meines Schwiegervaters kratzt und knirscht auf dem Plattenteller. Rolf Zuckowskis kleine Freunde arbeiten sich durch die Adventszeit – und meine Kinder mit ihnen. 

„Ich wünsche mir vom heiligen Christ, einen Kopf der keine Vokabeln vergisst“, schmettert meine Tochter mit. Es riecht nach Tannenzweigen. Und Gebäck. Über allem liegt hier ein Zauber. Ein Zauber, der mir fremd geworden ist. Obwohl ich in einem christlich geprägten Elternhaus aufgewachsen bin. Kirche, Kinderchor, das ganze Programm – bis ich die warme Decke weg strampelte. 

1 Kommentar


Kommentare

  1. Avatar for Bonito Bonito says:

    Ach ja, die Sache mit Gott. Die Kirchen- und Gläubigendichte in unserer Gegend ist so hoch, dass wir nicht lang warten mussten, bis das Thema auf dem Tisch war. Schon im Kindergarten kam immer wieder die unschuldige Frage, wer eigentlich dieser Gott ist und warum da ein Mann rumhängt, der (gelegentlich sehr explizit) an Bretter genagelt wurde. Ich hab das versucht so objektiv und fair zu erläutern wie es mir möglich ist, habe auch Gründe für den Glauben angeführt und den advocatus theiou gegeben und doch war ich innerlich erleichtert, als irgendwann die Feststellung kam ‚Papa, das ist doch irgendwie alles unlogisch‘. Die religionsübergreifende, offene und fröhlich einladende Einschulungsfeier in der Kirche war dann jetzt kürzlich so dermaßen knallchristlich mit frommen Gebeten im Minutentakt, dass ich es als extrem übergriffig und alles andere als inkludierend empfand.
    Und als mich mein Sohn nun am 24. 12. fragte ‚Papa, mal ehrlich, das Christkind gibt’s gar nicht, oder? Das seid ihr, oder?‘ hab ich ihn geknuddelt und gesagt, dass ich einen klugen Sohn habe. Dann haben wir Kekse gefuttert und Weihnachten gefeiert.

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