PS VR2: die VR-Brille, mit der ich schärfer und bequemer sehen kann, wie Vampirfrauen mich zerhacken, Zombies mich zerfleischen und Kampfroboter mich zertrampeln. Astro Bot, rette mich!

Seit ich denken kann, wird George Orwells 1984 für überspannte Vergleiche herangezogen. Ich schmeiße nicht gern mit überstrapazierten Memes um mich, aber ich denke öfter an den Rattenkäfig. Winston Smith wird gefoltert, indem man ihm ausgehungerte Ratten vor das Gesicht schnallt. Wenn er nicht kooperiert, wird die Käfigtür vor seinem Gesicht geöffnet. Von der Passage im Buch habe ich als Kind Alpträume bekommen. Bevor mich eine Darstellung von Folter in einem Videospiel hätte traumatisieren können, habe ich es mit den Mitteln der Weltliteratur selbst geschafft.

Und das bringt mich zu PS VR2, für das es gerade viele Ankündigungen gab. Etwas fairer: Es bringt mich zu Virtual Reality im Allgemeinen. VR-Brillen sind natürlich keine Rattenkäfige. Aber sie sind unendlich tiefe Wundertüten. Was darin wohl auf neugierige Spieler*innen wartet?

Auch Ratten. Oder, im Fall von PS VR2: Lady Dimitrescu, Beißer und Schnappmäuler.

Demnächst auch…

… in deinem Gesicht.

PS VR2 in die Fresse

Denn damit hat Sony den großen Aufschlag für seine neue VR-Brille gemacht: Aufgespießt und herumgeschleift werden von Mutantinnen – mit Resident Evil Village. Im dunklen Abwasserkanal die Leuchtfackel anzünden und einem Zombiemob ins Auge starren – mit The Walking Dead: Saints & Sinners 2. Von einem futuristischen Riesendino zertrampelt werden – mit Horizon Call of the Mountain. Selbst von No Man’s Sky wurden hektische Kampfszenen gezeigt. Vielleicht wollte Sony uns zeigen, dass in VR richtig ernst gemeinte Spiele erscheinen, die so aufregend aussehen, wie Spiele ohne VR. Vielleicht wollte uns der Konzern aber auch warnen. Vielleicht ist diese Brille nur was für Menschen mit einem Fable für lebensbedrohliche Situationen.

Extreme Erlebnisse für extreme Geschmäcker.

Denn eine VR-Brille aufzusetzen, ist immer ein Abenteuer. Wir schnallen uns Welten vor das Gesicht. Im Vergleich zu Videospielen auf dem Bildschirm ist das Medium ein völlig anderes. 1993 hat mich die Egoperspektive in DOOM damit konfrontiert, dass Spiele mir auch das Gefühl geben können, direkt körperlich angegriffen zu werden. Aber der Schrecken war nicht besonders groß, und sobald ich mich nur ein bisschen im Stuhl zurückgelehnt habe, ist er schnell verschwunden.

In VR gibt es dagegen kein Entrinnen. Ich hatte die meisten Brillen schon im Gesicht, und sie sitzen bei meiner ungenormten Kopfform immer etwas zu stramm, oder rutschen mir vor den Augen hin und her. Festgeschnallt wie einst Winston Smith sitze ich also auf meinem Sofa, wenn ich meine Quest 2 aufsetze.

Wer würde da nicht gern höchstpersönlich auf dem Plateau stehen und mit Lasern beschossen werden?

Ohne Kopf auf dem Sofa

Der erste Blick durch die Brille ist dann jedes Mal unspektakulär wie der Blick durch ein Fenster. Das Aha-Erlebnis kommt erst, wenn ich den Kopf drehe. Dann begreife ich instinktiv, dass ich mich in der anderen Welt befinde. Denn die virtuelle Umgebung ist überall um mich herum, ich sitze mittendrin. Die angeschnallte Schutzbrille stellt einen gewissen Abstand zu der virtuellen Umgebung her, aber ich fühle mich ausgeliefert. Wo ich gerade nicht hinschaue, kann alles passieren.

7 Kommentare


Kommentare

  1. Avatar for KaFour KaFour says:

    Wird erst gelesen, wenn Amazon passende Brillen geliefert hat. Grmpf. Wieso schmeißt man immer die falschen Sachen weg? Von den komischen Fernseh-Polfilter-Dingern habe ich noch 2 hier seit Jahren ungenutzt rumfliegen…

  2. Hab zum Glück daheim noch ein Superman 3D Comic mit Brille in der alten Comickiste. Wird direkt Montag Abend ausprobiert wenn wir wieder da sind.

    Ach und in der LP von Extrabreit ist auch noch eine. Kann man zu zweit lesen :smile:

  3. Avatar for Jagoda Jagoda says:

    Also du kommst doch nach Poing oder? Falls du dich so lange gedulden kannst… 3D-Brillen für… ALLE! Besser als jede Kneipenrunde! (naja).

    Abgesehen vom 3D-Effekt möchte ich einfach meine Bewunderung für Jan aussprechen, der es mit seiner Art zu schreiben schafft, dass mich wirklich jedes Thema interessiert, egal wie wenig es mich interessiert!

    Wenn Jan irgendwann einmal Bartöl testet, ich stehe dennoch in der 1. Reihe!

    Edit: Das Beweisfoto, dass ich „für meine Schäfchen“ natürlich reichlich vorgesorgt habe. :kissing_heart:

  4. Avatar for VfBFan VfBFan says:

    :thinking: :no_mouth: :lying_face: :partying_face:

  5. So jetzt habe ich den Text auch gelesen, mit 3D Gimmick.
    Ich kann mich bisher auch nur so halb für VR erwärmen.
    Die Resident Evil Demo war mir damals zu krass, bin zwar seit frühester Jugend großer Horrorfilmfan und habe immer noch Spaß zwischendurch an gruseligem und sehr blutigem Quatsch…aber in Spielen hat mich das nie so abgeholt. Habe da meist lieber diese Distanz eines Films und wenn spielen dann bitte, bitte nicht mit mir als Akteur wie bei VR.
    Aber dieses Heist Spiel was ich beim Kollegen auf der PS4 angezockt hatte fand ich schon ziemlich cool. Die COmicgrafik hat mir gar nicht erst vorgespielt das sei echt, aber das Gameplay war simpel und dadurch irgendwie rund.
    Ansonsten hätte ich auch eher Interesse daran mit einer Brille in Welten einzutauchen, statt gestresst durch sie durch gejagt zu werden.

    Sieht bescheuert aus, macht aber Spaß beim lesen. Danke Wasted :stuck_out_tongue: :

  6. Avatar for Stasya Stasya says:

    Das Bild ist mega! :heart_eyes:


    Ich hab den Text ohne Brille gelesen, geht auch :wink: nur ab und an clippen die dicken Zwischenüberschriften links und rechts aus dem Handybildschirmrand raus, aber ist nicht so schlimm.

    VR ist ohnehin nicht wirklich was für mich, ich leide schon bei vielen normalen Bildschirmspielen an Motion Sickness. Und wenn mir Zombies an die Kehle gehen oder Monster ins Gesicht fliegen, bin ich Angsthase wohl für Wochen traumatisiert.

    Und ich glaube auch, dass die allermeisten Spiele nicht einfach in VR transportiert werden können. Da braucht es andere Ideen, neue Konzepte, die auch durchaus schon da sind (ich liebe VR Let’s Plays, wo man die Spieler in einer Cam im leeren Zimmer herunfuchteln sieht :joy: ), aber es sind immer noch recht wenige. Liegt vermutlich auch an dem immer noch kleinen Markt für diese Titel.

    Wirklich selber reizen täten mich diese Simulationen, wo man wahlweise unter Wasser ist oder frei in der Luft fliegt und die auch mehr zur Meditation und zum Staunen einladen, als Action bieten.

    (Nur ich fürchte, zumindest im Flug würde in meinem reqlen Zimmer schnell noch anderes fliegen :nauseated_face:)

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